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„Es ist ein Fehler, den Demenzkranken mit seinem verwirrten Verhalten zu konfrontieren und ihn zu korrigieren oder von seinen Wünschen, seinen Zielen wegzudrängen.“

Nicola Marquardt, Heimleitung

Die Pflege

Im Seniorenpflegezentrum für demente und psychisch erkrankte Senioren gilt das Prinzip der Wertschätzung, der Validation.

Bewohner des Hauses Herbstrose werden unterstützt und Handlungsweisen akzeptiert, damit sich der Erkrankte angenommen fühlt.

Lehnt zum Beispiel ein Bewohner es ab, beim Essen, Besteck zu verwenden, so zwingen wir ihn nicht. Freut er sich und isst selbstständig, so ist sein Handlungsmotiv zu tolerieren.

Eine erfolgversprechende Pflegemaßnahme beginnt auf emphatischer Ebene, wächst dank verbaler und nonverbaler Kommunikation und erstreckt sich über eine Bandbreite emotional stimulierender Momente.

Ausgehend von dem Wissen, dass sich demente und psychisch Erkrankte am besten in einer emotionalen Beziehung orientieren und zurechtfinden, bildet im Seniorenzentrum die Bezugspflege die strukturelle Grundlage der Betreuung.

Vorteile der Bezugspflege

Die Vorteile der Bezugspflege:

  • Mitarbeiter kennen ihre zu Betreuenden,
  • Sie sind mit Besonderheiten und Angewohnheiten vertraut
  • Es gibt eine Atmosphäre des Miteinanders und gegenseitigen Vertrauens
  • Auch für Pflegekräfte kann die Beziehung fruchtbar, kreativ und erfrischend sein.

Die Aufgaben der Mitarbeiter sind vielfältig. In einer angstvermeidenden Atmosphäre kann sich eine aktivierende Situation gut entwickeln. Dank Akzeptanz ist der Bewohner bereit, an der Teilnahme des täglichen Lebens mitzuwirken. Der Tagesablauf ist im Haus Herbstrose nicht an einem starren System gebunden, sondern kann vom Bewohner mitgestaltet werden, was zur Stärkung des Selbstbewusstseins elementar beiträgt.
Dies erfordert wiederrum vom Personal hohe Flexibilität, wenn z.B. der Bewohner länger schlafen möchte und demzufolge der Zimmerdienst verschoben wird.

Bezugspflege, wie wir sie im Pflegezentrum Herbstrose praktizieren, bedeutet, einen engen Kontakt zwischen Mitarbeiter und Bewohner aufzubauen. Nur so können wir erkennen, welche Methode wirklich für den Erhalt oder die Verbesserung von Lebensqualität für den Betroffenen wirksam ist.
Wir möchten, dass unsere Bewohner sich rundherum wohl fühlen und wissen, dass sie von uns wertgeschätzt werden.

Spezielle Pflegeaspekte

Orientierung

Im Anfangsstadium der Demenz ist die Orientierung an der Realität noch gegeben. Als Gedächtnistraining und zum Erhalt der Orientierung werden Übungen zu Ort, Zeit und Personen häufig im Tagesablauf integriert wiederholt, mit dem Ziel, sich möglichst lange zurecht zu finden.

Unruhe

Ist keine sinnvolle Beschäftigung mehr möglich, suchen viele Demente nach Halt und Sicherheit, sie lehnen gleichzeitig Hilfsangebote aus Furcht vor Bevormundung vehement ab. Hier kann die Unruhe durch Spaziergänge im geschützten Garten oder Umherlaufen in den großzügigen Wohnbereichen kompensiert werden.

Validation

Validation ist eine Kommunikationsmethode im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen. Sie hilft, desorientiertes Verhalten dementer Menschen zu verstehen und einen Zugang in ihre innere Erlebniswelt zu finden.
Durch Wertschätzung und Akzeptanz wird bei Dementen ein Zugangskanal offengehalten, der auch bei Fortschreiten der Krankheit eine wertvolle Bereicherung für den Alltag des Bewohners darstellt.

Wohngruppen

Das Leben in unserem Pflegezentrum wird in Wohngruppen organisiert. Hier finden die Bewohner Ruhe und Geborgenheit in kleinen Gruppen. Der Bewohner selber hat seinen privaten Raum und bestimmt, wann er schläft, isst, am Sozialleben teilnimmt oder sich seine persönliche Auszeit nimmt.

Aktivitäten

Aktivitäten richten sich nach der Tagesverfassung des Bewohners. Die Teilnahme am Tagesprogramm ist freiwillig, sie soll Freude bereiten.

Alltag

Bei Dementen ist die Langzeitgedächtnisfunktion anfangs noch gut erhalten. Daher sind vertraute und gut beherrschte Tätigkeiten des Alltags zum Erhalt des Selbstwertgefühls unabdingbar.

Betriebsamkeit

Neigen Demente zu erhöhter Aktivität, äußert sich dies womöglich in Verhaltensweisen, deren Sinn sich uns nicht erschließt. Unser Team gewährt den Bewohnern diese Beschäftigungen, da diese für den Dementen einen Grund ergeben.

Biografiearbeit

Jeder Mensch hat seine eigenen inneren und äußeren Motivationsursachen. Aufgabe der Pflege- und Betreuungskräfte von dementen Bedürftigen ist daher, die inneren Beweggründe aufzuspüren. Dies geschieht durch Gespräche und Kommunikation. So können spezifische Motive gefunden werden, die Impuls für Handlungen oder dem Unterlassen darstellen und Verständnis nachhaltig aufbauen.

Kognitives Training

Für den Erhalt von neuronalen Verbindungen ist die regelmäßige Forderung derselben wichtig. Bestehen kognitive Ressourcen, wird in der Pflege versucht, diese Fähigkeiten zu bewahren. Es ist nicht das Ziel, dem Dementen seine Defizite vorzuführen.